Eine Hexagon-Häkeljacke sieht auf den ersten Blick kompliziert aus, gehört aber zu den überraschend verständlichen Konstruktionen beim Häkeln.
Das Grundprinzip ist einfach:
Du häkelst zwei große Sechsecke, faltest sie zu zwei Jackenhälften und verbindest sie anschließend miteinander.
Danach fehlen nur noch die Ärmel, die Bündchen und die Vorderkante.
Das macht die Hexagon-Jacke besonders interessant für alle, die Granny-Muster mögen, aber einmal etwas anderes als eine klassische Decke oder Tasche häkeln möchten.
Warum funktioniert eine Jacke aus zwei Sechsecken?
Ein gehäkeltes Hexagon hat sechs Seiten.
Wenn es mit Granny-Clustern gearbeitet wird, entsteht beim Vergrößern sehr viel zusätzlicher Stoff.
Dadurch liegt ein großes Hexagon nicht mehr vollkommen flach.
Genau diese zusätzliche Weite wird später genutzt.
Sobald du das Sechseck richtig faltest, entstehen automatisch:
- ein Ärmel
- ein Vorderteil
- ein halbes Rückenteil
Mit einem zweiten identischen Hexagon erhältst du die andere Jackenhälfte.
Welche Wolle eignet sich?
Für einen Cardigan dieser Art eignet sich ein mitteldickes Garn besonders gut.
Ideal ist ungefähr:
Aran oder Worsted Weight
Eine Häkelnadel zwischen:
5 und 6 mm
ist für viele Garne passend.
Die genaue Nadelstärke solltest du aber immer an die Angaben auf deiner Wollbanderole anpassen.
Wenn du eine weichere, locker fallende Jacke möchtest, kannst du eine etwas größere Häkelnadel verwenden.
Für eine kompaktere Jacke verwendest du eine kleinere Nadel.
Farbwahl
Bei diesem Projekt dürfen die Farben ruhig auffallen.
Eine mögliche Kombination ist:
Flieder als Grundfarbe für Bündchen und Blende.
Dazu:
Türkis
Orange
Gelb
Pink
Beerenton
Du kannst aber genauso gut eine ruhigere deutsche Herbstpalette verwenden:
Creme
Rostrot
Dunkelgrün
Senfgelb
Braun
Oder eine moderne Variante:
Beige
Salbeigrün
Altrosa
Das erste Hexagon
Beginne mit einem Fadenring.
Häkle zunächst 3 Luftmaschen.
Danach 2 Stäbchen in den Fadenring.
Nun folgen 2 Luftmaschen.
Wiederhole anschließend fünfmal:
3 Stäbchen
2 Luftmaschen
Am Ende solltest du sechs Gruppen aus jeweils drei Stäbchen haben.
Schließe die Runde mit einer Kettmasche.
Die zweite Runde
Arbeite dich mit Kettmaschen bis zum nächsten Luftmaschenbogen vor.
In jeden Eckbogen kommen jetzt:
3 Stäbchen
2 Luftmaschen
3 Stäbchen
Damit werden aus den sechs ursprünglichen Gruppen die sechs deutlichen Ecken des Hexagons.
Das Hexagon vergrößern
In jeder folgenden Runde häkelst du:
In normale Zwischenräume:
3 Stäbchen
In jede Ecke:
3 Stäbchen
2 Luftmaschen
3 Stäbchen
Das ist das wichtigste Prinzip des gesamten Musters.
Solange du dieses Schema korrekt fortführst, wird das Hexagon automatisch größer.
Wie groß muss das Hexagon werden?
Hier gibt es keine perfekte Rundenzahl für alle.
Die richtige Größe hängt ab von:
- deiner Garnstärke
- der Häkelnadel
- deiner persönlichen Häkelspannung
- deiner Körpergröße
- der gewünschten Passform
Als grobe Orientierung:
S: 12–14 Runden
M: 14–16 Runden
L: 16–18 Runden
XL: 18–20 Runden
Wichtiger als diese Zahlen ist aber die Anprobe.
Falte das Hexagon regelmäßig.
Wenn die Ärmelöffnung bequem ist und die Jackenhälfte ungefähr bis zur Rückenmitte reicht, bist du meistens nah an der richtigen Größe.
Zweites Hexagon
Häkle nun ein zweites Hexagon auf genau dieselbe Weise.
Wenn du eine symmetrische Jacke möchtest, verwendest du dieselbe Farbreihenfolge.
Wenn du einen verspielteren Look bevorzugst, kannst du die Farbfolge auch verändern.
Die Größe sollte jedoch identisch bleiben.
Beide Teile falten
Jetzt kommt der interessante Teil.
Falte jedes Hexagon so zusammen, dass eine L-Form entsteht.
Ein Abschnitt bildet den Ärmel.
Ein anderer Abschnitt bildet Vorder- und Rückenteil.
Lege beide Hälften nebeneinander.
Jetzt kannst du bereits erkennen, wie daraus eine Jacke wird.
Rückenteil zusammennähen
Lege die beiden Rückenkanten aufeinander.
Du kannst sie mit einer Wollnadel zusammennähen.
Alternativ kannst du sie mit Kettmaschen oder festen Maschen zusammenhäkeln.
Für eine möglichst unauffällige Verbindung eignet sich das Zusammennähen mit einer Wollnadel besonders gut.
Schultern schließen
Auch die oberen Bereiche müssen miteinander verbunden werden.
Lass in der Mitte genügend Platz für den Hals.
Mache zunächst nur eine provisorische Verbindung.
Probiere die Jacke an.
Erst wenn die Halsöffnung bequem sitzt, solltest du die Naht endgültig schließen.
Ärmel anpassen
Bei vielen Hexagon-Cardigans sind die Ärmel nach dem ersten Zusammenbau noch etwas zu kurz.
Das ist kein Problem.
Du kannst direkt an der Ärmelöffnung weiterhäkeln.
Zum Beispiel:
Eine Runde feste Maschen.
Danach mehrere Runden Granny-Cluster oder Stäbchen.
Wenn die gewünschte Länge erreicht ist, folgt das Bündchen.
Bündchen häkeln
Ein breiteres Bündchen gibt der Jacke einen deutlich professionelleren Look.
Eine einfache Möglichkeit:
Arbeite zunächst eine Runde feste Maschen.
Danach häkelst du mehrere Reihen nur in das hintere Maschenglied.
Dadurch entsteht eine leichte Rippenstruktur.
Für ein stärker elastisches Bündchen kannst du Vorder- und Hinterreliefstäbchen abwechseln.
Unteren Rand fertigstellen
Auch am unteren Rand kannst du zuerst eine Ausgleichsrunde mit festen Maschen arbeiten.
Danach folgen mehrere Zentimeter Bündchen.
Das sorgt dafür, dass die Jacke unten ruhiger fällt und nicht zu stark ausleiert.
Vorderblende
Eine breite Vorderblende ist besonders schön bei einem bunten Cardigan.
Beginne unten an einer Vorderkante.
Häkle über die gesamte Vorderseite nach oben.
Gehe um den Nacken herum.
Arbeite anschließend auf der anderen Seite wieder nach unten.
Für eine sichtbare Blende kannst du etwa 5–8 cm hinzufügen.
Flieder oder eine andere wiederkehrende Hauptfarbe eignet sich hier besonders gut.
Größenanpassung
Wenn du mehr Weite möchtest:
Mehr Runden an den Hexagons arbeiten.
Wenn du mehr Länge möchtest:
Nach dem Zusammennähen zusätzliche Reihen am unteren Rand hinzufügen.
Wenn du längere Ärmel möchtest:
Mehr Ärmelrunden arbeiten.
Wenn du einen Oversize-Look möchtest:
Die Hexagons deutlich größer häkeln und eine breite Vorderblende hinzufügen.
Anfängerfehler vermeiden
Achte darauf, dass jede Runde weiterhin sechs Ecken hat.
Wenn du versehentlich eine Ecke überspringst, verändert sich die Form.
Zähle deshalb regelmäßig deine Eckbereiche.
Ziehe außerdem nicht zu fest an den Luftmaschen.
Zu enge Ecken können dazu führen, dass sich das Hexagon ungewöhnlich stark zusammenzieht.
Fertigstellung
Wenn die Jacke komplett zusammengesetzt ist, alle losen Fäden sorgfältig vernähen.
Anschließend kannst du das Kleidungsstück leicht blocken.
Lege die Jacke flach auf ein Handtuch oder eine Blocking-Matte.
Forme Ärmel, Saum und Vorderkanten vorsichtig.
Dann vollständig trocknen lassen.
Ergebnis
Am Ende erhältst du eine weiche, farbenfrohe Häkeljacke mit einem auffälligen Granny-Look.
Das Schöne an dieser Konstruktion ist, dass sie sich sehr einfach verändern lässt.
Du kannst daraus eine kurze Jacke, einen langen Cardigan oder eine Oversize-Version machen.
Auch die Farben können komplett an deinen eigenen Stil angepasst werden.
Für ein deutsches Herbstpublikum würde ich bei diesem Modell besonders Flieder + Senfgelb + Petrol + Rostorange + Beerenton testen. Das erhält den bunten Charakter, wirkt aber etwas wärmer und saisonaler.


